Justiz und NS-Verbrechen Bd.XLIX Verfahren Nr.920 - 924 (2002 - 2012), 880 (Erratum), 950 - 959 (1945 - 1960; Nachtragsverfahren)

Prof. Dr. C.F. Rüter, Dr. D.W. de Mildt
© Foundation for Research on National-Socialist Crimes, Amsterdam

Lfd.Nr.924    LG München II    12.05.2011    JuNSV Bd.XLIX S.303

befohlen haben, "sie alle zu vernichten". Dies sei wohl als Anordnung der Leichenverbrennung verstanden worden, welche dann begonnen worden sei.

 

bb) Daniil Slyusar, von Juni 1942 bis März 1943 in Sobibor, gab an, dass er als Wachmann im Lager Sobibor entlang des Stacheldrahtzauns, mit dem das Lager begrenzt worden sei, patrouilliert sei. Er habe also Fluchtversuche "der dem Tod geweihten Juden" verhindern müssen.

 

cc) Anton Solonin gab an, dass er als Wachmann den Bahnhof des "Todeslagers Sobibor" sowie das Gelände ausserhalb und innerhalb des Lagers zu bewachen gehabt habe. Dabei habe er mit einem Gewehr bewaffnet auf einem Wachposten neben den Zugwaggons voller Juden gestanden. Er habe Ausbruchsversuche zu verhindern gehabt.

 

Ebenso sei er zum Zeitpunkt der Tötung der eingesperrten Juden auf dem Wachposten neben den Gaskammern gestanden. Während weitere Juden hineingetrieben worden seien, sei er mit einem Gewehr bewaffnet gewesen und habe auf etwaige Fluchtversuche geachtet und dabei geholfen, die Menschen in die Gaskammern zu treiben. Er habe auch auf anderen Posten Wachdienst geleistet, etwa neben der "Umkleide" oder den Leichengruben, um das "Arbeitskommando" zu beaufsichtigen.

 

Während die Opfer von der Bahnhofsrampe zunächst zur "Umkleide" und dann weiter zu den Gaskammern getrieben worden seien, seien auf jeder Seite des von Stacheldraht umgebenen Durchgangs bewaffnete Wachmänner gestanden, welche die Opfer angebrüllt und sie mit der Waffe bedroht hätten.

 

dd) Nikolaj Svyatelik berichtete in seiner Vernehmung vom 26.Juni 1968 davon, dass er von September bis November 1943 im Lager Sobibor gewesen sei.

 

Die Wachmannschaften seien in Sobibor in zwei Gruppen aufgeteilt gewesen. Eine Gruppe habe das Lager von aussen bewacht. Man sei dabei auf Wachtürmen gestanden. Wenn die Transportzüge mit den Häftlingen im Lager angekommen seien, seien alle Wachmänner, die gerade dienstfrei gehabt hätten, beim Bewachen der Ankunftsstelle eingesetzt gewesen. Die andere Gruppe der Wachmänner habe nur innerhalb der Lagerzone gearbeitet. Diese Wachmänner hätten unmittelbar an der Entladung der Transportzüge und an dem Geleit der Häftlinge in die Gaskammern teilgenommen. Die Waggons mit den Häftlingen seien ziemlich oft, fast täglich, angekommen. Sie seien über ihr Schicksal von den Deutschen "belogen" worden. Die ankommenden Häftlinge seien jeweils noch am Ankunftstag vernichtet worden.

 

ee) Nikolaj Gontscharenko, der ab Herbst 1942 im Vernichtungslager Treblinka war, bevor er am 26.März 1943 nach Sobibor versetzt wurde, erschien die Rampe wie der Bahnsteig eines Bahnhofs und der Bau, in dem die Juden ihre Habe abzugeben hatten, wie ein Abfertigungshalle für Passagiere. Ansonsten gleicht seine Schilderung der Abläufe von der Ankunft eines Zuges bis zur Ermordung und Verbrennung der Opfer denjenigen anderer ehemaliger Wachleute. An den Tagen, an denen Leute im Lager vernichtet worden seien, sei ein verstärktes Sonderkommando von Wachleuten zur Bewachung eingeteilt worden.

 

Er selbst habe nicht am Vernichtungsvorgang teilgenommen, sondern auf einem Turm Wache gestanden, oder in einem Kordon um den Bereich gestanden, wo die Leichen verbrannt worden seien.

 

ff) Inhaltlich im Wesentlichen gleich lautende Schilderungen oder einzelne Äusserungen finden sich auch in den Vernehmungsprotokollen weiterer ehemaliger Mitglieder der Hilfsmannschaften aus Trawniki, teilweise auch bezogen auf die Vorgänge in den Vernichtungslagern Belzec und Treblinka, welche nach den Darlegungen des Sachverständigen Dr. P. und auch