Justiz und NS-Verbrechen Bd.XLIX Verfahren Nr.920 - 924 (2002 - 2012), 880 (Erratum), 950 - 959 (1945 - 1960; Nachtragsverfahren)

Prof. Dr. C.F. Rüter, Dr. D.W. de Mildt
© Foundation for Research on National-Socialist Crimes, Amsterdam

Lfd.Nr.924    LG München II    12.05.2011    JuNSV Bd.XLIX S.297

Die Leichen seien anschliessend verbrannt worden, was teilweise einen massiven Gestank über das Lager gelegt habe. Seine eigene Tätigkeit habe darin bestanden, die ukrainischen Wachmannschaften aufzustellen.

 

Im Übrigen bestätigte Hubert G. in dieser Vernehmung den Besuch Himmlers Anfang 1943. Himmler habe an diesem Tag insbesondere auch das "Lager III" inspiziert.

 

G. selbst war Angehöriger der Waffen-SS, gab aber an, dass das Stammpersonal aus SS- und Polizeiangehörigen bestanden habe. Zur Verantwortlichkeit sagte G. aus, dass alle gleich mitverantwortlich seien; keiner könne für sich in Anspruch nehmen, weniger verantwortlich zu sein.

 

ee) Letzteres ergibt sich auch aus den Vernehmungen des ehemaligen Polizeibeamten Karl Frenzel 144, wonach Himmler im Herbst 1942 oder im Frühjahr 1943 zu einem Inspektionsbesuch in Sobibor gewesen sei.

 

Er, Frenzel, habe den Auftrag gehabt, mit einigen Unterführern und ukrainischen Wachmannschaften die Aussensicherung des Lagers zu übernehmen, um Himmlers persönlichen Schutz zu garantieren. Himmler habe sich eine Probevergasung, zu der eigens einige jüdische Frauen nach Sobibor transportiert worden seien, im "Lager III" angesehen und sich lobend über Sobibor geäussert sowie die Beförderung einiger Unterführer veranlasst. Im Übrigen bestätigte auch Frenzel, der von der Aufbauphase, ab April 1942, bis zur Schliessung im Vernichtungslager Sobibor als Angehöriger des Stammpersonals und Aufseher von Arbeitskommandos tätig gewesen sei, Einzelheiten zur Struktur des Lagers und der Abwicklung der Vernichtungsvorgänge entsprechend den Angaben der zuvor genannten Beteiligten.

 

ff) Erich Fuc. 145, der ebenfalls dem Personal der Dienststelle "T4" entstammte, gab in seiner Vernehmung vom 8.April 1963 an, im Frühjahr 1942 von Wirth den Auftrag bekommen zu haben, in Lemberg einen Vergasungsmotor abzuholen und nach Sobibor zu transportieren. Es habe sich dabei um einen schweren russischen Benzinmotor, vermutlich einen Panzermotor oder den Motor einer Zugmaschine mit mindestens 200 PS gehandelt, den er, der Zeuge, zusammen mit anderen SS-Leuten aufgestellt und an eine Rohrleitung, die zu den Gaskammern geführt habe, angeschlossen habe. An etwa 30 bis 40 Frauen habe man dann eine "Probevergasung" durchgeführt.

 

Die Vergasung der Juden bezeichnet er als "grösste Kulturschande" und die Urheber als "Verbrecher"; man hätte einen anderen Weg finden müssen, um sich der Juden zu entledigen. Er habe nachts nicht schlafen können, weil er Bilder nackter Menschen und nackter Leichen gesehen habe, die nichts verbrochen hätten. Es sei hinterlistiger Mord gewesen. Es habe ihm aber an Mut gefehlt, sich abzumelden.

 

gg) Auch Alfred Itt. 146, der in der Frühphase des Lagerbetriebs in Sobibor zunächst als Verwaltungskraft und dann als Aufseher im "Lager III" tätig gewesen war, gab in seiner Vernehmung vom 17.Juli 1962 die wesentlichen Abläufe bei der Vernichtung an. Ferner erwähnte Itt., dass die ukrainischen Hilfswilligen für die Aussensicherung des Lagers eingesetzt worden seien.

144 Siehe 642 und 897.

145 Siehe Lfd.Nr.641.

146 Siehe Lfd.Nr.642.