Justiz und NS-Verbrechen Bd.XLIX Verfahren Nr.920 - 924 (2002 - 2012), 880 (Erratum), 950 - 959 (1945 - 1960; Nachtragsverfahren)

Prof. Dr. C.F. Rüter, Dr. D.W. de Mildt
© Foundation for Research on National-Socialist Crimes, Amsterdam

Lfd.Nr.924    LG München II    12.05.2011    JuNSV Bd.XLIX S.327

ist 164. Hierbei ergeben sich aus der in der "Übergabeverhandlung" bei Iwchenko notierten Dienstnummernziffernfolge "78" und einer weiteren unleserlichen Ziffer keine Diskrepanzen zu seiner Dienstnummer auf dem Personalbogen.

 

(4) Für den unter Nummer 22 genannten Ignat Daniltschenko 165 existiert ein Dienstausweis, der sowohl hinsichtlich der Geburtsdaten als auch der Dienstnummer 1016 mit dem Eintrag in der "Übergabeverhandlung" übereinstimmt. Bei der Schreibweise des Vornamens "Igant" handelt es sich im Hinblick auf den zweimaligen - offensichtlich korrekten - Eintrag auf dem Dienstausweis ("Ignat") um ein Schreibversehen in Form eines Buchstabendrehers bei den Buchstaben "n" und "a". In dem Dienstausweis findet sich die gleiche Eintragung wie in dem für den Angeklagten ausgestellten Dokument, nämlich die Abkommandierung am 27.März 1943 nach Sobibor, wobei die handschriftlichen Eintragungen dasselbe Schriftbild aufweisen.

 

(5) Auch für den unter Nummer 27 aufgeführten Nurgali Kabirow existiert ein Dienstausweis mit gleichen Geburtsdaten, wobei die Dienstausweisnummer 1337 zu dem in der "Übergabeverhandlung" notierten Dienstnummernfragment aus der Ziffernfolge "13" und mindestens einer weiteren unleserlichen Ziffer nicht widersprüchlich ist. Auch in diesem Dienstausweis findet sich der Abkommandierungsvermerk für 27.März 1943 nach Sobibor in dem bereits erwähnten gleichartigen Schriftbild 166.

 

(6) Für den unter Nummer 77 genannten Myron Flunt existiert ein mit gleichen Geburtsdaten und gleicher Dienstnummer 2804 ausgestellter Personalbogen, in dem die Versetzung nach Sobibor am 26.März 1943 vermerkt ist 167. In der Kopfzeile des Personalbogens ist folgendes vermerkt: "Am 23.7.43 bei Kdo. Sobibor durch 2 Juden ermordet worden." Mit dieser Notiz steht in Einklang die von Stre. gezeichnete Mitteilung vom 24.Juli 1943 über den Tod des Wachmanns Myron Flunt.

 

(7) Zu dem unter Nummer 83 erfassten Nikolai Hontscharenko mit der Dienstnummer 1832 ist ein zugehöriges Personaldokument nicht festzustellen. Tatsächlich handelt es sich bei diesem Wachmann um Nikolai Gontscharenko, der mit derselben Dienstnummer und denselben Geburtsdaten auf einer "Übergabeverhandlung" vom 20.November 1943 an das SS-Wachbataillon Sachsenhausen in Oranienburg bei Berlin unter der laufenden Nummer 37 vermerkt ist. In seiner Vernehmung vom 1.Juni 1949 bestätigte Nikolai Gontscharenko diese Versetzung, als er angab, dass er im November 1943 nach seiner Tätigkeit in Sobibor zunächst nach Trawniki und von dort für etwa 20 Tage nach Oranienburg abgeordnet worden sei, ehe er in der Folge im Konzentrationslager Gusen Dienst geleistet habe 168. In Anbetracht der im Übrigen übereinstimmenden Personendaten und Angaben besteht daher kein Zweifel, dass es sich bei der Schreibweise "Hondscharenko" lediglich um eine Verwechslung des ersten Buchstabens bzw. einen Tippfehler handelte.

 

Zu dem in dieser Liste vom 20.November 1943 unter Nummer 31 aufgeführten Maksim Tkatschuk existiert ferner ebenfalls ein Dienstausweis mit den zugehörigen Personendaten, wenngleich die Abordnung nach Sachsenhausen / Oranienburg dort nicht eingetragen ist.

164 Zum Personalbogen oben C III 2 d aa Seite 277.

165 Schreibweise auch "Danilchenko".

166 Zur Vernehmung Kabirows siehe oben C III 2 c bb Seite 274.

167 Zum Personalbogen siehe oben C III 2 d aa Seite 276.

168 Zu dessen Vernehmung siehe oben C III 2 c bb Seite 275 und C IV 2 d ee Seite 303.