Justiz und NS-Verbrechen Bd.XXI Verfahren Nr.590 - 595 (1965)

Prof. Dr. C.F. Rüter, Dr. D.W. de Mildt
© Foundation for Research on National-Socialist Crimes, Amsterdam

Lfd.Nr.595a    LG Frankfurt/M.    19.08.1965    JuNSV Bd.XXI S.806

in Birkenau. Sie hat in ihrer Vernehmung vom 2.Februar 1965, die am 11.2.1965 verlesen worden ist, geschildert, dass sie den Angeklagten einige Male als Aufsichtsführenden erlebt habe, wenn Plagge und Palitzsch mit Gefangenen so brutal "Sport" machten, dass viele von ihnen blutüberströmt liegen geblieben seien. In einer am 3.12.1963 in dem Verfahren gegen Albrecht u.a. (4 Js 1031/61 der StA Ffm.) durchgeführten richterlichen Vernehmung sagte sie dazu, viele Gefangene seien dabei infolge Erschöpfung liegen geblieben. Die Zeugin weist im übrigen darauf hin, dass sie infolge der Leiden der Lagerzeit erkrankt sei und Erinnerungsschwierigkeiten habe. Bestehen hiernach bereits Zweifel, ob man der einen oder der anderen ihrer Schilderungen folgen soll, so reicht die weitere Bekundung der Zeugin, sie habe vom Hörensagen erfahren, dass manche dieser geschundenen Häftlingen im Häftlingskrankenbau verstorben seien, jedenfalls nicht aus, den Angeklagten der ihm zur Last gelegten weiteren Mordtaten sicher zu überführen.

 

2.

 

Zu dem Vorwurf, der Angeklagte Hofmann habe im Sommer 1943 einen jüdischen Häftling erschossen, weil dieser sich wehrte, in die Gaskammer gebracht zu werden (Ziffer 5 des Eröffnungsbeschlusses), hat lediglich der Zeuge Holt. Aussagen gemacht.

Er gibt folgende Schilderung: An einem Tag im Jahre 1944 hätten mehrere SS-Leute Häftlinge hinter der Häftlingsküche entlanggeführt. Der von Hofmann geführte Häftling sei immer störrischer geworden, Hofmann habe daraufhin mit der Pistole auf ihn geschossen, so dass er zusammengesackt sei. Der Häftling sei nach seiner festen Überzeugung gleich tot gewesen, man habe ihn dann weggetragen.

Es ist bereits fraglich, ob der von dem Zeugen geschilderte dem von dem Eröffnungsbeschluss umfassten Vorgang entspricht.

Darüber hinaus aber besteht auch die Möglichkeit, dass der Zeuge den Angeklagten Hofmann, der diese Tat bestreitet, mit einem anderen SS-Führer verwechselt. Denn er hat trotz Vorhalts immer wieder behauptet, Hofmann habe um Weihnachten 1944 im Konzentrationslager Auschwitz an einer Erhängung von 3-4 Häftlingen teilgenommen, einem der Delinquenten den Schemel weggestossen und nach der Exekution eine Rede gehalten; es ist aber erwiesen, dass Hofmann bereits im Mai 1944 vom Konzentrationslager Auschwitz nach dem Konzentrationslager Natzweiler versetzt worden ist. Dieser Zeuge ist unzuverlässig und daher ein ungeeignetes Beweismittel.

 

3.

 

Seine Bekundungen sind deshalb auch nicht zu einer Überführung des Angeklagten im Punkte 7 des Eröffnungsbeschlusses zu werten. Hiernach soll der Angeklagte Hofmann, was er in Abrede stellt, im Winter 1942 oder 1943 etwa 10 oder 12 entkräftete sowjetische Kriegsgefangene gezwungen haben, sich nackt im Freien aufzustellen, so dass sie infolge der grossen Kälte erfroren. Der Zeuge hat ausserdem zu diesem Punkte widersprüchliche Angaben gemacht. Während er in seiner Vernehmung vom 18.Mai 1960 ausgesagt hatte, es hätten 10 oder 12 Kriegsgefangene völlig nackt bei frierender Kälte vor ihrem Block gestanden, bis sie tot umgefallen seien, hat er in der Hauptverhandlung trotz Vorhaltes dieser seiner früheren Aussage behauptet, es habe nur ein Kriegsgefangener ausgezogen vor Hofmann gestanden, er nehme an, der Gefangene sei daran gestorben.

Der Zeuge Fat., der einzige weitere Zeuge zu diesem Sachverhalt, kann keine konkreten Angaben machen, die eine Schuldfeststellung ermöglichten. Seine Darstellung ist folgende: Im strengen Winter 1942 seien 4-6 russische Kriegsgefangene umgefallen; die anderen Kriegsgefangenen hätten ihnen, obwohl sie noch lebten, die Kleider ausgezogen. Hofmann hätte mit dem Fuss gegen die Liegenden gestossen und dazu gesagt: "Lasst sie verrecken!" Von Kameraden habe er später gehört, der russische Blockälteste habe die Halbtoten im Keller des Blockes mit einer Stange ins Genick geschlagen, bis sie tot gewesen seien.

 

4.

 

Nach Ziffer 8 des Eröffnungsbeschlusses sollen im Jahre 1943 sämtliche im Keller