Justiz und NS-Verbrechen Bd.XXI Verfahren Nr.590 - 595 (1965)

Prof. Dr. C.F. Rüter, Dr. D.W. de Mildt
© Foundation for Research on National-Socialist Crimes, Amsterdam

Lfd.Nr.595a    LG Frankfurt/M.    19.08.1965    JuNSV Bd.XXI S.738

daher, da er nur wegen der zusätzlichen Lebensmittelbesorgung mit dem Angeklagten Bednarek in Verbindung stand, Tötungshandlungen des Angeklagten nicht zur Kenntnis gekommen sein. Im übrigen stützt die Tatsache, dass der Angeklagte Bednarek - wie der Zeuge bekundet hat - bereits damals im Lager von Häftlingen als "Sadist" bezeichnet worden ist, zumindest mittelbar die Aussagen der Zeugen Dr. Kl. und Be.

 

Der Zeuge Za. war überhaupt nicht im KL Auschwitz. Er hat daher den Angeklagten Bednarek auch nicht kennen gelernt. Dem Zeugen ist nur von dem inzwischen verstorbenen Edward Jas. sen. berichtet worden, dass der Angeklagte Bednarek "unschuldig" sei. Das gleiche hat der Verstorbene auch seinem Sohn, dem Zeugen Edward Jas. jun. erklärt. Wenn Bednarek jemanden geschlagen habe - so hat der Vater seinem Sohn nach dessen Aussage erzählt - sei dieses nur im Interesse des betreffenden Häftlings erfolgt. Beiden Zeugen gegenüber hat der Verstorbene berichtet, dass der Angeklagte Bednarek sich um die in das Lager verbrachten Kinder gekümmert und ihnen zusätzlich Lebensmittel verschafft habe. Vor allem habe er sich während des Evakuierungsmarsches um eine Gruppe von Kindern besorgt gezeigt.

Auch diese gute Meinung des verstorbenen Edward Jas. sen. über den Angeklagten Bednarek vermag die Aussagen der Zeugen Dr. Kl. und Be. nicht zu erschüttern. Zunächst steht nicht fest, ob der Verstorbene überhaupt jemals im Block 8A untergebracht war. Nach der Aussage des Zeugen Edward Jas. jun. hat sein Vater den Angeklagten Bednarek erst als Blockältesten der Strafkompanie kennengelernt. Es ist daher durchaus möglich, dass der Vater des Zeugen von den Misshandlungen des Angeklagten Bednarek im Block 8A nichts erfahren hat. Es mag auch sein, dass der Angeklagte Bednarek gut zu Kindern war. Auch andere Zeugen haben berichtet, dass sich der Angeklagte Bednarek um Kinder gekümmert habe. Das schliesst jedoch nicht aus, dass sich der Angeklagte den erwachsenen Häftlingen gegenüber ganz anders verhalten hat.

 

Der Zeuge Za. hat keine Kenntnis davon, ob der Verstorbene Jas. jemals als Häftling im Block 11, in dem die Strafkompanie untergebracht war, gewesen ist. Auch nach der Aussage des Zeugen Jas. ist dies zumindest zweifelhaft. Der Zeuge Edward Jas. jun. hat zwar auf eine Frage des Staatsanwalts erklärt, dass sein Vater Verbindung mit dem Angeklagten Bednarek gehabt habe, als er - der Vater - in der Strafkompanie gewesen sei, als auch dann, als er zu anderen Blocks gehört habe. Später hat der Zeuge jedoch erklärt, dass er nicht in der Lage sei, anzugeben, auf welchem Lagerabschnitt sein Vater gewesen sei. Er wisse nur, dass sein Vater in Birkenau gewesen sei. Es ist daher möglich, dass der Zeuge irrig annimmt, dass sein Vater einmal in der Strafkompanie gewesen ist. Möglicherweise war der Verstorbene nie in der Strafkompanie, sondern hat den Angeklagten Bednarek nur in dem Block 11 besucht. Selbst wenn der später Verstorbene einmal in der Strafkompanie gewesen sein sollte, steht nicht fest, wie lange er sich dort aufgehalten hat. Möglicherweise war er dort nur kurze Zeit. Es ist daher denkbar, dass er von den Tötungshandlungen des Angeklagten Bednarek überhaupt nichts erfahren hat. Wenn er den beiden Zeugen gegenüber nur Gutes über den Angeklagten Bednarek berichtet hat, so mag das seiner inneren Überzeugung entsprochen haben, ohne dass aber nachgeprüft werden kann, worauf der Verstorbene seine gute Meinung über den Angeklagten Bednarek gestützt hat.

Aus den Aussagen der beiden Zeugen Za. und Jas. jun. kann daher gegen die Glaubwürdigkeit der Zeugen Dr. Kl. und Be., aber auch gegen die Glaubwürdigkeit der Zeugen, die von Tötungshandlungen des Angeklagten Bednarek im Block 11 berichtet haben, auf die noch zurückzukommen sein wird, nichts hergeleitet werden.

 

Schliesslich ist noch der Zeuge Tar. als Entlastungszeuge des Angeklagten Bednarek vernommen worden. Dieser Zeuge hat bekundet, dass er ebenfalls nichts davon gehört habe, dass der Angeklagte Bednarek jemanden getötet habe oder dass Häftlinge infolge von Schlägen, die der Angeklagte Bednarek oder ein anderer auf seine Anweisung hin gegeben habe, gestorben sei. Der Zeuge war aber ebenfalls nicht mit dem Angeklagten Bednarek auf Block 8 oder 8A zusammen. Auch in der Strafkompanie in Birkenau war er nicht. Er kam nach seiner Aussage nur gelegentlich auf den Block 8, um Kameraden zu besuchen. Wenn er nichts von Tötungshandlungen des Angeklagten Bednarek gesehen oder gehört habe, beweist das nicht, dass die Aussagen der Zeugen Dr. Kl. und