Justiz und NS-Verbrechen Bd.XXI Verfahren Nr.590 - 595 (1965)

Prof. Dr. C.F. Rüter, Dr. D.W. de Mildt
© Foundation for Research on National-Socialist Crimes, Amsterdam

Lfd.Nr.595a    LG Frankfurt/M.    19.08.1965    JuNSV Bd.XXI S.737

der erst im Sommer (Juni oder Juli 1941) Blockältester von Block 8A geworden ist, zusammen gewesen sein. Der Zeuge meint auch, dass er nur noch einen Monat im Block 8A geblieben sei, nachdem der Angeklagte Bednarek den Block 8A als Blockältester übernommen habe. Der Zeuge kann somit von den Tötungshandlungen des Angeklagten Bednarek ab September 1941 aus eigener Wahrnehmung nichts wissen. Die Aussage des Zeugen, er habe selbst nicht gesehen, dass der Angeklagte Bednarek Häftlinge totgeschlagen habe, kann daher durchaus der Wahrheit entsprechen, ohne dass damit die Aussagen der Zeugen Dr. Kl. und Be. erschüttert werden.

Im übrigen hat der Zeuge auch bekundet, dass der Angeklagte Bednarek ein "scharfer Blockältester" gewesen sei. Er habe den Ruf eines strengen und scharfen Blockältesten gehabt. In seiner Gegenwart habe der Angeklagte auch auf Häftlinge eingeschlagen. Er sei unberechenbar gewesen. Um Gründe, die Häftlinge zu schlagen, sei er nie verlegen gewesen. Es habe ihm genügt, dass ein Häftling schlecht in der Reihe gestanden habe oder sich zu langsam bewegt oder die Mütze zu spät abgenommen habe, um ihn zu schlagen. Bednarek habe mit den Häftlingen im Jahre 1941 auch "Sport" getrieben. Das sei eine Quälerei gewesen, da die Häftlinge müde von der Arbeit zurückgekommen seien und infolge der unzureichenden Verpflegung in schlechter körperlicher Verfassung gewesen seien. Nach seiner - des Zeugen - Meinung sei dieser "Sport" völlig überflüssig gewesen. Den "Sport" hätte der Angeklagte Bednarek auch anders durchführen können. Das Sportmachen habe in Hüpfen, Rollen, Kniebeugemachen usw. bestanden. Die Häftlinge seien am nächsten Tag stets vollkommen erledigt gewesen. Wer den "Sport" wegen Erschöpfung nicht richtig habe mitmachen können, sei von den Stubendiensten geschlagen worden. Viele Häftlinge seien auch liegen geblieben, die nicht mehr hätten mitmachen können. Ob Häftlinge infolge des "Sportmachens" gestorben seien, wisse er nicht. Das habe er nicht feststellen können, weil sie - die Häftlinge, die nicht liegen geblieben seien - nach dem "Sport" sofort wieder auf ihre Stuben hätten zurückgehen müssen. Der Stubendienst habe die Liegengebliebenen mitgenommen. Beim Appell am nächsten Morgen seien die Opfer des Sportes am Ende des aufgestellten Blockes hingelegt worden. Später seien sie in den HKB gekommen.

Der Zeuge war im Jahre 1943 im Lagerabschnitt B II d untergebracht. Dort hörte er - wie er glaubhaft bekundet hat - dass man sich in diesem Lagerabschnitt erzählt hat, dass der Angeklagte Bednarek auf dem Block 11 Menschen töte. Das hätten diejenigen erzählt - so hat der Zeuge berichtet - die von der Strafkompanie zurückgekommen seien.

Der Zeuge Mir. hat somit keine den Angeklagten Bednarek entlastende Aussage gemacht. Er hat im Gegenteil zumindest mittelbar die Aussage der Zeugen gestützt, die von Tötungshandlungen des Angeklagten Bednarek im Block 11 im Lagerabschnitt B II d berichtet haben.

 

Weitere Zeugen, die der Angeklagte Bednarek zu seiner Entlastung benannt hat, sind kommissarisch vor polnischen Gerichten vernommen worden. Die Protokolle über diese Vernehmungen sind in der Hauptverhandlung verlesen worden. Auch diese Zeugen konnten nicht die Aussagen der Zeugen Dr. Kl. und Be. erschüttern.

 

Der Zeuge Cz., der den Angeklagten Bednarek schon aus der Vorkriegszeit kannte, hat bekundet, dass er sich im Jahre 1941 an den Angeklagten Bednarek wegen zusätzlicher Belieferung mit Lebensmitteln gewandt habe. Bednarek habe ihm erklärt, er könne ihm etwas geben, wenn die Portionen bereits verteilt seien und er - Bednarek - allein in seinem Zimmer sei. Er - der Zeuge - sei dann von Bednarek während eines Zeitraumes von etwa zwei Monaten mit Lebensmitteln unterstützt worden. Ausserdem habe ihm Bednarek erlaubt, die Kessel in der Mittagspause zu spülen, damit er die Suppenreste, die meist noch in den Kesseln gewesen seien, erhalte. Weitere Kontakte habe er mit dem Angeklagten nicht unterhalten. Dann habe er - der Zeuge - von Kameraden erfahren, dass der Angeklagte Bednarek ein Sadist sei und die Häftlinge wegen geringer Übertretungen der Disziplin und Lagerordnung schlage. Daher habe er die Verbindung mit Bednarek abgebrochen.

Der Zeuge hat zwar erklärt, ihm sei nichts davon bekannt, dass der Angeklagte Bednarek jemanden getötet habe. Er war jedoch nicht in dem Block 8 oder 8A untergebracht, sondern wohnte auf dem Block 23 (der zunächst die Nr.4 hatte). Ihm können