Justiz und NS-Verbrechen Bd.XXI Verfahren Nr.590 - 595 (1965)

Prof. Dr. C.F. Rüter, Dr. D.W. de Mildt
© Foundation for Research on National-Socialist Crimes, Amsterdam

Lfd.Nr.595a    LG Frankfurt/M.    19.08.1965    JuNSV Bd.XXI S.736

oder Juli 1941 als Blockältester in den Block 8A, während der Zeuge Gu. bereits im August 1941 wieder aus dem Block 8 weggekommen ist. Es ist daher denkbar und möglich, dass sich der Angeklagte Bednarek in dieser Zeit, zumal es die erste Zeit in seiner Blockältestentätigkeit gewesen ist, noch relativ anständig gegenüber den Häftlingen verhalten hat, so dass er aus der Sicht des Zeugen Gu. gesehen, als "menschlich" erschien. Im übrigen musste der Zeuge Gu. einräumen, dass er an Gedächtnisschwund leide und sich nicht mehr an alles erinnern könne. Es ist daher möglich, dass er manches bezüglich des Angeklagten Bednarek vergessen hat, zumal er nach seiner Versetzung aus dem Block 8 weiterhin im KL Auschwitz verblieb. Er war in den folgenden Jahren noch in anderen Blöcken untergebracht und hatte andere Vorgesetzte. Möglicherweise haben spätere Erlebnisse im KL Auschwitz seine Erinnerung an den Angeklagten Bednarek verblassen lassen.

 

Der Zeuge Poz. hat bei seiner Vernehmung erklärt, dass seiner Meinung nach in Block 8A niemand getötet worden sei, als der Angeklagte Bednarek dort Blockältester gewesen sei. Der Zeuge hat damit jedoch nur seine subjektive Auffassung zum Ausdruck gebracht, ohne überzeugende Gründe hierfür darlegen zu können. Der Zeuge war selbst nicht im Block 8 oder 8A untergebracht. Er konnte daher die von den im Block 8A untergebrachten Zeugen geschilderten Vorgänge selbst gar nicht miterleben. Der Zeuge, der selbst in Block 3 wohnte, ist nach seiner Aussage nur besuchsweise in den Block 8A gekommen. Er hat sich mit dem Angeklagten Bednarek angefreundet und ihn deshalb öfters besucht. Es ist durchaus möglich, dass der Angeklagte Bednarek während dieser Besuche Häftlinge nicht geschlagen oder getötet hat. Das schliesst jedoch nicht aus, dass sich der Angeklagte Bednarek in der ganzen übrigen Zeit, in der der Zeuge nicht in Block 8A war, ganz anders verhalten hat.

Der Zeuge Poz. erschien im übrigen nicht recht glaubwürdig. Das Gericht hatte den Eindruck, dass er den Angeklagten Bednarek im Hinblick auf seine Freundschaft aus der Lagerzeit unter allen Umständen entlasten wollte. Nach seinen eigenen Angaben hat er in den letzten 4 Jahren vor der Hauptverhandlung mit vielen Häftlingen über den Angeklagten Bednarek, insbesondere darüber, ob der Angeklagte Bednarek Häftlinge in Auschwitz getötet habe, gesprochen. Das geschah offensichtlich nur im Hinblick auf das gegen den Angeklagten Bednarek eingeleitete Ermittlungsverfahren. Der Zeuge will keinen einzigen Häftling getroffen haben, der mit eigenen Augen gesehen habe, dass Bednarek Häftlinge getötet habe. Das mag sein. Denn in Auschwitz waren Tausende von Häftlingen, die den Angeklagten Bednarek während seiner Tätigkeit in Block 8A nicht beobachten konnten. Die Tötungshandlungen wurden meist nur von wenigen Häftlingen wahrgenommen. Auch in der Hauptverhandlung haben nur die Zeugen Dr. Kl. und der Zeuge Be. als Augenzeugen von Tötungshandlungen des Angeklagten Bednarek in Block 8A berichten können. Andererseits musste der Zeuge Poz. einräumen, dass ehemalige Häftlinge, mit denen er in den letzten vier Jahren gesprochen hat, bereits damals im Lager davon gehört hätten, dass Bednarek Häftlinge getötet haben solle.

Die Aussage des Zeugen Poz. kann somit ebenfalls nicht die Bekundungen der Zeugen Dr. Kl. und Be. erschüttern.

 

Der Zeuge Kruc. will während seiner Lagerzeit nichts davon gehört haben, dass der Angeklagte Bednarek Häftlinge totgeschlagen habe. Er habe nur gesehen - so hat der Zeuge berichtet - dass der Angeklagte geschrien habe, herumgesprungen sei und Häftlinge geschlagen habe, Bednarek habe grossen Eifer gezeigt und "grossen Wind" gemacht. Der Zeuge war aber während seines Aufenthaltes im Stammlager nicht im Block 8 oder 8A untergebracht. Es ist daher durchaus möglich, dass er von den Vorgängen im Block 8A, über die die Zeugen Dr. Kl. und Be. berichtet haben, nichts erfahren hat.

 

Der Zeuge Mir. war nach seiner Aussage vom Dezember 1940 bis etwa Juni 1941 in dem Block 8A, der zunächst die Nummer 10 hatte. Der Zeuge konnte sich noch erinnern, dass der Angeklagte Bednarek erst Blockältester geworden sei, als er - der Zeuge - schon einige Zeit in dem Block gewesen ist. Der Zeuge wusste nicht mehr genau, wann er aus dem Block 8A weggekommen ist. Er glaubte sich jedoch noch mit Bestimmtheit erinnern zu können, dass er bereits in der zweiten Hälfte des August 1941 in den HKB gekommen sei. Er kann daher nicht mehr lange mit dem Angeklagten Bednarek,