Justiz und NS-Verbrechen Bd.XXI Verfahren Nr.590 - 595 (1965)

Prof. Dr. C.F. Rüter, Dr. D.W. de Mildt
© Foundation for Research on National-Socialist Crimes, Amsterdam

Lfd.Nr.595a    LG Frankfurt/M.    19.08.1965    JuNSV Bd.XXI S.730

Raum, in dem die dreistöckigen Betten für die Häftlinge standen. Dort prügelte der Angeklagte Bednarek die Häftlinge der ihm unterstellten Strafkompanie, wenn sie ihm aus irgendwelchen Gründen aufgefallen waren. Er schlug sie mit einem Stock oder dem Bein eines Schemels, wohin er sie traf. Häufig brachen die Häftlinge zusammen und fielen zu Boden. Dann trat er sie noch mit den Stiefeln in den Bauch oder auf den Brustkorb. Von den Häftlingen der Strafkompanie war er als brutaler Schläger gefürchtet. Unter den anderen Häftlingen des Lagerabschnittes B II d hatte er den Ruf eines grausamen und brutalen Blockältesten, der die ihm unterstellten Häftlinge sehr schlecht behandelte.

Darüber hinaus machte es ihm Freude, Häftlinge, wo er nur konnte, zu schikanieren. Zum Austeilen der Suppe stellte er häufig einen Kapo, mit dem er befreundet war, hinzu, der die andrängenden Häftlinge mit der Suppenkelle über den Kopf schlagen musste. Oft liess der Angeklagte Bednarek die Häftlinge vor dem Empfang der Suppe in Kniebeuge gehen und befahl, dass sie in Hockstellung hüpfend die Suppe zu empfangen hätten. Wenn dann die Häftlinge mit den gefüllten Essnäpfen weghüpfen, konnten sie es nicht verhindern, dass ein Teil der Suppe überschwappte und auf die Erde verschüttet wurde. So ging ihnen, die ständig Hunger hatten, noch ein Teil der kärglichen Nahrung verloren. Wiederholt goss der Angeklagte den Häftlingen, die sich nach seiner Meinung beim Essenempfang nicht diszipliniert genug verhielten, auch selbst die Suppe aus, so dass sie überhaupt kein Essen bekamen.

 

Der Angeklagte Bednarek liebte es ferner, sog. "Deckenkontrollen" zu machen. Er liess die Häftlinge seines Blocks zunächst die Decken im Hof des Blockes 11 ausklopfen und ausschütteln. Dann liess er die Decken wieder zusammenfalten und in den Block zurücktragen. Er selbst stellte sich mit einem Stock bewaffnet an der Tür des Blockes auf. Wenn die Häftlinge mit ihren Decken an ihm vorbeikamen, um in den Block hineinzugehen, schlug er mit dem Stock kräftig auf die zusammengefalteten Decken. Wenn sich dann noch etwas Staub zeigte, was meist der Fall war, insbesondere bei Sonnenlicht, schlug er die betreffenden Häftlinge mit dem Stock voller Wucht auf den Kopf oder auf den Rücken. Auf diese Weise erhielt einmal der Zeuge Pres. von dem Angeklagten drei Schläge mit dem Stock über den Rücken, worunter er noch heute zu leiden hat.

Bei den sog. "Läusekontrollen" verabreichte der Angeklagte Bednarek den Häftlingen in der Regel für jede gefundene Laus einen Stockhieb. Manchmal liess er den Häftlingen, bei denen Läuse gefunden worden waren, eine kalte Dusche geben. Die Häftlinge mussten sich in ihren Kleidern unter die kalte Dusche stellen und wurden dann mit kaltem Wasser solange abgeduscht, bis sie völlig durchnässt waren. Anschliessend durften sie nicht in den Block hinein, sondern mussten im Freien stehen bleiben. Viele erkrankten und kamen in den HKB. Ob Häftlinge an den Folgen dieser Behandlung gestorben sind, konnte nicht mit Sicherheit festgestellt werden.

 

Der Angeklagte Bednarek beschränkte sich jedoch nicht darauf, die Häftlinge zu schlagen, zu misshandeln und zu schikanieren. In einigen Fällen schlug der Angeklagte Häftlinge auch so lange, bis sie tot waren. Im einzelnen sind folgende Fälle festgestellt worden:

 

a. Einmal schlug der Angeklagte Bednarek im Block 11 aus einem nichtigen Anlass mit einem Holzschemel wahllos auf einen Häftling ein. Er wollte ihn töten. Er schlug den Häftling solange, bis dieser am Boden lag und kein Lebenszeichen mehr von sich gab. Dann liess er den leblosen Körper durch andere Häftlinge wegschleppen und auf den Hof legen. Am anderen Morgen stellte der Zeuge Ja. fest, dass der Häftling tot war.

b. Bei einer anderen Gelegenheit wiederholte der Angeklagte Bednarek das gleiche bei einem anderen Häftling. Er schlug wiederum im Block 11 mit einem Holzschemel auf einen Häftling, dessen Namen nicht bekannt ist, ein in der Absicht, ihn zu töten. Als der Häftling leblos am Boden lag, liess er ihn durch andere Häftlinge auf den Hof legen. Auch in diesem Fall stellte der Zeuge Ja. am anderen Morgen fest, dass der Häftling tot war.

c. Um die Weihnachtszeit 1943 trieb der Angeklagte Bednarek eines Abends einen polnischen