Justiz und NS-Verbrechen Bd.XXI Verfahren Nr.590 - 595 (1965)

Prof. Dr. C.F. Rüter, Dr. D.W. de Mildt
© Foundation for Research on National-Socialist Crimes, Amsterdam

Lfd.Nr.595a    LG Frankfurt/M.    19.08.1965    JuNSV Bd.XXI S.729

wenn sie sich - seiner Meinung nach - eines "Vergehens" schuldig gemacht hatten. (Z.B. wenn sie ihr Bett nicht richtig gemacht oder die Stube beschmutzt hatten.) Oft schlug er aber auch ohne besondere äussere Anlässe auf die Häftlinge ein.

 

Der Angeklagte Bednarek begnügte sich jedoch nicht damit, die Häftlinge nur zu schlagen und zu misshandeln.

 

a.

Häftlinge, die ihm aus irgendwelchen Gründen unsympathisch oder missliebig waren, vor allem schwache Häftlinge (Muselmänner), nahm er wegen kleiner "Vergehen" mit in den Korridor des Blockes 8. Dort schlug er mit einem Stock oder einem Hocker solange auf sie ein, bis sie tot waren. In diesen Fällen wollte er von Anfang an die Häftlinge umbringen. Insgesamt hat der Angeklagte Bednarek auf dem Korridor des Blockes 8 im Jahre 1941, nachdem er im Sommer 1941 Blockältester geworden war, mindestens 5 Häftlinge durch Schläge mit einem Stock oder einem Hocker getötet. Unter diesen fünf Opfern war ein alter Häftling, der dem Angeklagten Bednarek wegen seiner Ungeschicklichkeit mehrfach aufgefallen war. Er war ihm daher unsympathisch. Eines Tages warf er diesen Häftling wegen irgendeinen kleinen "Vergehens" auf den Korridor. Dort schlug er in der Absicht, ihn zu töten, so lange auf ihn ein, bis dieser Häftling starb.

Ob Häftlinge, die er bei den Appellen so misshandelt hat, dass sie in den HKB gebracht werden mussten, gestorben sind, konnte nicht mit Sicherheit festgestellt werden.

 

b. Die Tötung eines Häftlings am Heiligen Abend 1941

(Eröffnungsbeschluss Ziffer 1)

An Weihnachten 1941 entwendete ein Häftling aus dem Block 8A einem Kameraden Brot. Er wurde dabei erwischt. Der Angeklagte Bednarek berief daraufhin als Blockältester ein "Gericht" ein, dass den Dieb aburteilen sollte. Zu Mitgliedern des "Gerichts" bestellte er zwei Häftlinge, die im Zivilberuf Richter waren. Als "Staatsanwalt" bestimmte er einen Häftling, der ebenfalls von Beruf Jurist war. Schliesslich gab er dem Dieb noch einen "Verteidiger", der ebenfalls ein Berufsjurist war, zur Seite. Das "Gericht" verhandelte dann gegen den Häftling, der das Brot entwendet hatte, in Anlehnung an die Regeln, die in einem ordentlichen Strafprozess zu beachten sind. Die beiden Richter "verurteilten" den "Angeklagten" schliesslich wegen des Diebstahls zu 50 Stockschlägen, von denen der Häftling 25 sofort und den Rest nach 14 Tagen erhalten sollte. Der Angeklagte Bednarek war jedoch mit dem "Urteilsspruch" nicht einverstanden. Er war darüber empört. Er beschimpfte die "Mitglieder des Gerichts" und trat und misshandelte den "Staatsanwalt". Dann erklärte er, er mache nun das "Gericht" selbst. Der Häftling, der das Brot entwendet hatte, musste sich auf einen Tisch legen. Dann liess sich der Angeklagte Bednarek eine schwere Stange bringen. Zwei Häftlinge, der Stubenälteste und ein Unterkapo namens Michael, mussten den Delinquenten halten. Bednarek schlug dann mit voller Wucht auf den liegenden Häftling ein, um ihn zu töten. Er erklärte, dass er dem Häftling 50 Schläge geben wolle. Hierzu kam es jedoch nicht mehr. Denn der Häftling verstarb bereits infolge der heftigen Schläge vorher. Der Angeklagte Bednarek warf die Leiche des Opfers in den Waschraum, wo sie später von Leichenträgern abgeholt wurde.

 

2. Die Tötung von Häftlingen in der Strafkompanie durch den Angeklagten Bednarek

(Eröffnungsbeschluss: Obersatz und Ziffern 2 und 7)

 

Allgemeines über das Verhalten des Angeklagten Bednarek gegenüber den

Angehörigen der Strafkompanie

 

Der Angeklagte Bednarek wurde im Juni oder Juli 1943 als Blockältester der Strafkompanie, die im Block 11 des Lagerabschnittes B II d in Birkenau untergebracht war, eingesetzt. Auch in dieser Funktion schlug und misshandelte er die ihm unterstellten Häftlinge aus den geringsten Anlässen. Er schlug die Häftlinge in der Baracke, bei den Appellen, beim Essenausteilen, beim sog. "Sportmachen" und bei den sog. Läusekontrollen. In der Baracke, in der die Strafkompanie untergebracht war, war ein grosser