Justiz und NS-Verbrechen Bd.XXI Verfahren Nr.590 - 595 (1965)

Prof. Dr. C.F. Rüter, Dr. D.W. de Mildt
© Foundation for Research on National-Socialist Crimes, Amsterdam

Lfd.Nr.595a    LG Frankfurt/M.    19.08.1965    JuNSV Bd.XXI S.621

M. Die Straftaten des Angeklagten Dr. Frank

 

I. Der Lebenslauf des Angeklagten Dr. Frank

 

Der Angeklagte Dr. Frank ist am 9.2.1903 als Sohn eines Assessors, späteren Oberregierungsrates (Postingenieur), in Regensburg geboren. Er besuchte 4 Jahre die Volksschule und anschliessend 4 Jahre das humanistische Gymnasium in Regensburg. Als sein Vater nach München versetzt wurde, wechselte der Angeklagte auf ein Realgymnasium in München über. Dort legte er im Jahre 1923 die Reifeprüfung ab.

1920 meldete sich der Angeklagte freiwillig zum Freikorps Epp, mit dem er 3 bis 4 Wochen lang an einer Aktion im Ruhrgebiet teilnahm. Im Jahre 1922 trat er der NSDAP als Gründungsmitglied der Ortsgruppe Regensburg bei. Bei mindestens einer Parteiversammlung wurde er als Saalschutz eingeteilt. Als während dieser Versammlung eine Schlägerei ausbrach, wurde er verletzt. Nach dem Abitur studierte der Angeklagte 8 Semester an der technischen Hochschule in München. Er gehörte als Student dem Korps Ratisbonia München an. Am 8.11.1923 nahm er an der Versammlung im Bürgerbräukeller und am 9.11.1923 an dem sog. Marsch zur Feldherrnhalle teil. Angeblich ist er - wie er sich einlässt - nur zufällig auf den Zug gestossen und nur 200 m mitmarschiert. Dann habe sich der Zug, so gibt er an, wegen der Schiesserei aufgelöst. Er sei so weit hinten gewesen, dass er davon nichts abbekommen habe.

 

1927 bestand der Angeklagte an der Technischen Hochschule in München die Prüfung als Dipl.Ing. Er war anschliessend ein Jahr lang Ingenieur bei der Maschinenfabrik I.A. Mattei AG in München tätig. Dann wurde er von der Firma Siemens-Schuckert-Werke in Nürnberg als Besuchs- und Reiseingenieur eingestellt.

Als sich 1931 die Wirtschaftslage in Deutschland verschlechterte, wurde er von den Siemens-Schuckert-Werken wegen Auflösung der Abteilung, der er angehörte, entlassen. Auf Veranlassung der Firma studierte er sodann in München Zahnmedizin. Dort gehörte er dem NS-Studentenbund an, nachdem das Korps Ratisbonia München in eine Kameradschaft des NSDStB umgewandelt worden war.

 

Im April 1933 liess sich der Angeklagte in München erneut in die NSDAP aufnehmen, da er von der Ortsgruppe Regensburg jahrelang nichts mehr gehört hatte und der zuständige Kreisleiter ihm mitgeteilt hatte, sein Aufnahmeantrag sei verlorengegangen. Im September 1933 trat er ausserdem in das NSKK ein.

Im Dezember 1934 bestand der Angeklagte das Staatsexamen. Er ging nun nach Ulm und arbeitete dort eine Zeitlang als Assistent bei einem Zahnarzt. Er trat aus dem NSKK im Februar 1935 wieder aus (sein letzter Dienstgrad beim NSKK war Scharführer), um beim Segelfliegersturm Ulm als Sturmführer Dienst zu tun. Nachdem er im September 1935 an der Universität München zum Dr. der Zahnmedizin promoviert wurde, liess er sich im November 1935 in Stuttgart - Bad Cannstatt als Zahnarzt nieder. In Stuttgart trat er auch in die allgemeine SS ein. Er machte dann nebenbei im Stab des SS-Oberabschnittsarztes Südwest Dienst als Zahnarzt.

Hierzu gibt der Angeklagte an, dass er sich nach seiner Niederlassung im Jahre 1935 bei dem Chef des Gesundheitswesens gemeldet habe. Dieser habe ihm erklärt, dass er einen Zahnarzt für die SS brauche. Er - der Angeklagte - habe sich daraufhin hierzu bereit erklärt. Er habe aber insgesamt nur ein paar junge Leute untersucht und behandelt.

 

Bei Ausbruch des Krieges war der Angeklagte Unterscharführer bei der allgemeinen SS. Er durfte auch den Winkel für "alte Kämpfer" tragen.

Im Jahre 1940 meldete sich der Angeklagte zur Waffen-SS, um dort als Zahnarzt Verwendung zu finden. Er wurde zur Waffen-SS eingezogen und im Oktober und November 1940 bei der SS-Division "Germania" in Hamburg ausgebildet. Am 30.1.1941 wurde er zur SS-Division "Wiking" versetzt, mit der er den Russlandfeldzug bis zum 25.12.1941 mitmachte, wegen einer Erkrankung wurde er am 25.12.1941 zu einem SS-Sanitäts-Ersatzbataillon versetzt und kam in das Lazarett nach Bad Cannstatt. Er war danach nur noch g.v.H. Vom 23.4.1942 bis zum 20.7.1942 arbeitete er in der SS-Zahnstation Dachau. Anschliessend war er bis zum 10.November 1942 in dem SS-Lazarett