DDR-Justiz und NS-Verbrechen Bd.III Verfahren Nr.1064 - 1114 (1955 - 1964)

Prof. Dr. C.F. Rüter
© Foundation for Research on National-Socialist Crimes, Amsterdam

Lfd.Nr.1068    OG    23.07.1963    DJuNSV Bd.III S.168

Grenze zwischen West- und Mitteleuropa", Ausführungen über die "geschichtliche deutsche Westgrenze im Mittelalter" sowie solche über die "Sprachgrenze" und die "Volkstumsverhältnisse beiderseits der Sprachgrenze bis zur natürlichen Grenze". Wörtlich heisst es in dieser Denkschrift:

"Für uns ergibt sich vor allem die traurige Feststellung, dass Hunderttausende und Millionen von Deutschen und Flamen helfen müssen, die französische Wirtschaft in Gang zu halten, dass sie gegen das eigene Blut kämpfen müssen, während bei einer anders verlaufenen politischen Geschichte, bei einer anderen Grenzziehung es unschwer möglich gewesen wäre, dieses deutsche Volkstum, das in Frankreich untergeht, jedenfalls dem Deutschtum verloren geht, im Anschluss an den geschlossenen deutschen und flämischen Volksboden planmässig anzusetzen.

Die neue Grenzziehung muss auch hier endgültig Wandel schaffen ... das heute in diesen Räumen siedelnde französische Volkstum wird zum grossen Teil ausgesiedelt werden können und ausreichenden Siedlungsraum und ausreichende Ernährungsmöglichkeiten im entvölkerten Kern Frankreichs finden."

 

Im Abschnitt VII der Denkschrift wird der Grenzvorschlag konkretisiert:

"Die Grenze beginnt an der Kanalküste südwestlich Montreul sûr Mer, schliesst den Unterlauf der Chamche und die Stadt St. Pol ein und läuft südlich des flandrischen Hügellandes und des Flussgebietes der Scarpe und südlich der Stadt Arras vorbei. Sie schliesst weiter den gesamten Strassenzug der Route Nationale Nr.39 und die Städte Cambrai, Cateau und Hirson ein, wo sie alsdann in südöstlicher Richtung die Südhänge der Ardennen erreicht. Südöstlich Charleville biegt die Grenze nach Süden ab und läuft über die Westhänge des Argonnerwaldes, alsdann östlich Bar le Duc über die Wasserscheide zwischen Marne und Maas bis auf das Plateau von Langres. Nach Einbeziehung der Stadt Langres hält sich die Grenze im wesentlichen an die Grenze des Departements Haute-Saône und Doubs, so dass das obere Saône- und Doubstal mit Besançon und der Eisenbahnübergang zur Schweiz nordwestlich Lausanne von Frankreich abgetrennt werden ...

Das nach dieser Grenzführung von Frankreich abzutrennende Gebiet umfasst schätzungsweise 50000 Quadratkilometer mit 7100000 Einwohnern ..."

In der Denkschrift werden die grössten Städte des abzutrennenden Gebiets angeführt, u.a. Lille, Calais, Roubaix, Maubeuge, Verdun, Nantes, Metz, Strassburg, Colmar, Belfort, Besançon. Im Text heisst es dann weiter:

"Die Grenzführung ist so vorgesehen, dass alle grossen Bahnlinien an keiner Stelle unterbrochen sind ... Der gleiche Gesichtspunkt war bei der Grenzführung auch hinsichtlich der Landstrassen massgebend ... Die abzutrennenden Gebiete sind wirtschaftlich die wertvollsten Teile Frankreichs ... Zusammenfassend kann gesagt werden, dass die vorgeschlagene Grenze alle wesentlichen Grundlagen besitzt, die geeignet sind, einer Grenze Dauer zu verleihen. Zugleich ist sie zusammen mit einer zielbewussten Siedlungs- und Volkstumspolitik im Westen geeignet, den tausendjährigen Kampf um den Rhein endgültig zugunsten des deutschen Volkes zu entscheiden und damit dem Reiche eine friedliche Entwicklung im Westen zu gewährleisten. Schliesslich und nicht zuletzt ist sie eine Wiedergutmachung des hundertfältigen Unrechtes, das Frankreich Deutschland als Folge seines unberechtigten Strebens nach dem Rhein in den letzten tausend Jahren zugefügt hat."

 

Unter dem Aktenzeichen der vom Angeklagten geleiteten Unterabteilung I West machte Frick am 2.September 1942 unter ausdrücklicher Bezugnahme auf das Schreiben Ribbentrops vom 27.Juni 1940 weitere Vorschläge für den Friedensvertrag mit Frankreich, die ebenfalls von dem Angeklagten ausgearbeitet worden waren. Unter Punkt 1 dieses Schreibens wird die