DDR-Justiz und NS-Verbrechen Bd.III Verfahren Nr.1064 - 1114 (1955 - 1964)

Prof. Dr. C.F. Rüter
© Foundation for Research on National-Socialist Crimes, Amsterdam

Lfd.Nr.1068    OG    23.07.1963    DJuNSV Bd.III S.82

Nachdem Globke am 27.März 1940 erneut mitgeteilt worden war, dass er demnächst mit einer Einberufung zu rechnen habe, gab Stuckart am folgenden Tage die schriftliche Anweisung, beschleunigt die Unabkömmlichstellung des Angeklagten zu beantragen, und fügte hinzu:

"Herr Globke ist Generalreferent für die Angelegenheiten des Generalbevollmächtigten für die Reichsverwaltung und als solcher zur Zeit nicht entbehrlich."

Am 4.April 1940 wurde Globke bis auf weiteres unabkömmlich gestellt. Am 1.November 1940 traf Ministerialrat Dr. Schütze in einer offiziellen Erklärung des Reichsministeriums des Innern die Feststellung,

"dass der Ministerialrat Dr. Globke aus zwingenden Gründen der Reichsverteidigung zur Erfüllung kriegswichtiger Aufgaben der allgemeinen und inneren Verwaltung entgegen seinen persönlichen Wünschen vom Heeresdienst freigestellt werden musste. Irgendwelche Nachteile aus dieser Freistellung vom Waffendienst dürfen ihm daher nicht erwachsen."

Im weiteren Ablauf des Krieges wurde der Angeklagte nicht mehr einberufen.

 

1943 wurde der Reichsführer SS, Himmler, Reichsinnenminister. Er erklärte einige Zeit danach vor dem Führungskreis der SS:

"Ich habe bei der Übernahme meines Amtes alle Beamten des Innenministeriums gründlich und genau überprüfen lassen und nur die behalten, die meinen Absichten entsprachen."

Der Angeklagte Globke blieb im Innenministerium, und sein Geschäftsbereich erweiterte sich von Jahr zu Jahr, wie die Geschäftsverteilungspläne ausweisen. In einem Urlaubsgesuch vom 14.Dezember 1943 führt er folgende von ihm bearbeitete Dezernate an: GBV-Sachen, Unterabteilungssachen I B, Staatsangehörigkeitssachen, West-Sachen, Angelegenheiten des ausländischen Verwaltungsrechts, italienische Angelegenheiten.

 

Der Angeklagte gehörte nach eigenen Angaben - Fragebogen vom 31.Januar 1938 - folgenden faschistischen Organisationen an:

NS-Kraftfahrkorps ab 1.9.1933,

NS-Rechtswahrerbund ab 2.8.1934,

NS-Volkswohlfahrt ab 1.11.1935,

Reichsbund Deutscher Beamten ab 15.4.1936,

Reichskolonialbund ab 13.11.1937.

Der Angeklagte erhielt nach einem von ihm handschriftlich ausgefüllten Formular vom 16.Mai 1942 folgende Auszeichnungen:

Ehrenkreuz für Frontkämpfer (auf eigenen Antrag vom 3.9.1934) am 1.11.1934,

Medaille zur Erinnerung an den 13.März 1938 (Besetzung Österreichs) am 21.11.1938,

Medaille zur Erinnerung an den 1.Oktober 1938 (Besetzung der sogenannten Sudetengebiete) am 26.10.1939,

Silbernes Treudienstehrenzeichen (für 25jährige Beamtentätigkeit unter Anrechnung des Militärdienstes) am 30.11.1941,

Kriegsverdienstkreuz 2.Klasse am 30.1.1942.

Ausserdem wurde er nach einer Inspektionsreise nach Rumänien, die er mit Staatssekretär Stuckart unternahm, von der Antonescu-Regierung am 4.April 1942 mit dem Komturkreuz des Ordens des Sterns von Rumänien ausgezeichnet.

 

Der Angeklagte gehörte dem Innenministerium bis Kriegsende an. Wie er bis zum letzten Augenblick den faschistischen Krieg unterstützte, zeigt ein von ihm gezeichneter Schnellbrief vom 17.Februar 1945, in dem er in bezug auf polnische Ortschaften davon spricht, dass sie sich "vorübergehend in Feindeshand" befinden.