DDR-Justiz und NS-Verbrechen Bd.III Verfahren Nr.1064 - 1114 (1955 - 1964)

Prof. Dr. C.F. Rüter
© Foundation for Research on National-Socialist Crimes, Amsterdam

Lfd.Nr.1068    OG    23.07.1963    DJuNSV Bd.III S.81

entsprechend erscheint er mehr für die Zentralbehörde als für die Mittelbehörden geeignet. Nach weiterer Bewährung würde ich seine Ernennung zum Ministerialrat befürworten."

Am 25.April 1938 richtete der Reichs- und Preussische Minister des Innern, Frick, an den Stellvertreter des Führers in München unter dem Betreff "Beamtenbeförderungen im Reichs- und Preussischen Ministerium des Innern" ein Schreiben, in dem es heisst:

"In meinem Ministerium stehen 3 Stellen für Ministerialräte zur Verfügung. Ich beabsichtige, dem Führer und Reichskanzler vorzuschlagen, die Oberregierungsräte Ritter von Lex, Krug von Nidda und Dr. Globke zu Ministerialräten zu befördern

...

3. Oberregierungsrat Dr. Globke gehört unzweifelhaft zu den befähigsten und tüchtigsten Beamten meines Ministeriums. In ganz hervorragendem Masse ist er an dem Zustandekommen der nachstehend genannten Gesetze beteiligt gewesen:

a) des Gesetzes zum Schutze des deutschen Blutes und der deutschen Ehre vom 15.September 1935 (RGBl. I S.1146),

b) des Gesetzes zum Schutze der Erbgesundheit des deutschen Volkes (Ehegesundheitsgesetz) vom 18.10.1935 (RGBl. I S.1246),

c) des Personenstandsgesetzes vom 3.11.1937 (RGBl. I S.1146),

d) des Gesetzes zur Änderung von Familiennamen und Vornamen vom 5.1.1938 (RGBl. I S.9).

Ausserdem verdient seine Mitarbeit bei der Wiedervereinigung Österreichs mit dem Deutschen Reich anerkennend hervorgehoben zu werden.

Dr. Globke ist bisher wegen seiner früheren langjährigen Zugehörigkeit zur Zentrumspartei nicht zur Beförderung zum Ministerialrat vorgeschlagen worden. Bei seiner seit der Machtergreifung durch die NSDAP bewiesenen Loyalität und steten Einsatzbereitschaft halte ich es aber für dringend erforderlich, ihm nunmehr durch die Beförderung zum Ministerialrat eine Anerkennung für seine ganz vorzüglichen Leistungen zuteil werden zu lassen."

Am 17.Mai 1938 stimmte der Stab des Stellvertreters des Führers der Ernennung Globkes zum Ministerialrat zu. Die Ernennung erfolgte am 13.Juli 1938 und die Einweisung in eine Ministerialratsstelle am 19.Juli 1938. Nach einer aus dem Haushalt entnommenen Zusammenstellung von Dr. Medicus, Ministerialdirigent im Reichsinnenministerium, wies dieses im Jahre 1938 folgende Zusammensetzung auf: 1 Reichsminister, 2 Staatssekretäre, 3 Ministerialdirektoren, 6 Ministerialdirigenten, 29 Ministerialräte sowie 26 weitere höhere und 135 mittlere Beamte.

 

Am 21.August 1939 meldete der Angeklagte die Aufhebung seiner Kriegsbeorderung; daraufhin sah das Innenministerium davon ab, einen Unabkömmlichkeitsantrag zu stellen. Am 27.Januar 1940 teilte der Angeklagte seine Einberufung zur Beobachtungsersatzabteilung 2 in Belgard mit. Auf dieser Meldung vermerkte Stuckart am gleichen Tage:

"Min.Rat Globke ist unentbehrlich. Ich bitte sofort entsprechend zu verfahren."

Am 29.Januar 1940 stellte das Ministerium des Innern einen Unabkömmlichkeitsantrag für Globke, in dem es heisst:

"Der Beamte ist hier nicht entbehrlich; er ist Sachbearbeiter beim Generalbevollmächtigten für die Reichsverwaltung und Referent für Staatsangehörigkeitsfragen, die aus Anlass der Bildung des Protektorats, der Eingliederung der Ostgebiete, der Bildung des Generalgouvernements und der Umsiedlungsaktionen anfallen. Seine zivildienstliche Verwendung muss ich daher als vordringlich ansehen und bitte, von seiner Heranziehung zum Wehrdienst absehen zu wollen."

Ausserdem bemühte sich das Innenministerium am 30.Januar 1940 telefonisch um die Freistellung des Angeklagten.