DDR-Justiz und NS-Verbrechen Bd.III Verfahren Nr.1064 - 1114 (1955 - 1964)

Prof. Dr. C.F. Rüter
© Foundation for Research on National-Socialist Crimes, Amsterdam

Lfd.Nr.1068    OG    23.07.1963    DJuNSV Bd.III S.80

staatlichen Polizeiverwaltung in Berlin; er sollte dort die Polizeiämter Prenzlauer Berg und Weissensee übernehmen. Bereits am 3.Dezember 1929 wurde jedoch der Angeklagte infolge der angespannten Geschäftslage als Hilfsarbeiter in das Preussische Ministerium des Innern berufen und verblieb dort. Nach dreimonatiger Probezeit forderte der Minister des Innern von den unmittelbaren Vorgesetzten des Angeklagten Beurteilungen an. Am 1.April 1930 schrieb Ministerialrat Dr. Schütze, dem sich die übrigen Ministerialbeamten im wesentlichen anschlossen:

"In der Folge wurde Herr Dr. Globke mit der Sicherung und Zusammenstellung des Materials für zwei bedeutsame Prozesse vor dem Staatsgerichtshof befasst. Hierbei hat er eine gute juristische Auffassungsgabe gezeigt und recht erfreuliche Leistungen erbracht ... Ich bin in der angenehmen Lage, bestätigen zu können, dass er über ein reiches Wissen, eine schnelle Auffassungsgabe, eine gewandte Ausdrucksweise und über eine stets einwandfreie Vortragsform verfügt ... Seine Leistungen und Fähigkeiten beurteile ich hiernach zusammenfassend dahin, dass er mir in jeder Richtung geeignet erscheint, in einer Zentralinstanz tätig zu sein."

Der Angeklagte wurde am 10.September 1932 neben anderen Aufgaben stellvertretender Referatsleiter für die politischen und kulturellen Angelegenheiten des Saargebiets.

 

Auch nach dem 30.Januar 1933 blieb der Angeklagte im Preussischen Ministerium des Innern. Lediglich das Referat "Ordens- und Titelsachen" wurde ihm am 3.Mai 1933 abgenommen. In seinem Fragebogen auf Grund des faschistischen Gesetzes zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums vom 7.April 1933 wies der Angeklagte auf seine Frontkämpfereigenschaft hin und reichte später eine entsprechende Bescheinigung des Büros für Kriegsstammrollen nach. Ausserdem gab der Angeklagte an, seit 1922 Mitglied der Zentrumspartei gewesen zu sein. Über die Zentrumsbeamten erklärte der damalige Preussische Ministerpräsident Göring am 18.Mai 1933 vor dem Preussischen Landtag:

"Insonderheit möchte ich den vorgebrachten Beschwerden des Zentrums gegenüber klarstellen, dass ein dem Zentrum angehöriger Beamter nichts für seine Existenz zu befürchten hat, oder ein dem Zentrum angehöriger Anwärter für das Beamtentum in seiner künftigen Laufbahn in nichts behindert ist darum, weil er dem Zentrum angehört. Wenn aber in diesen letzten Wochen und Monaten dem Zentrum angehörende Beamte von ihren Posten entfernt werden mussten, so nicht deshalb, weil sie Zentrumsanhänger waren, sondern ausschliesslich deshalb, weil sie sich in der Vergangenheit als Beamte in einem Sinne betätigt haben, der nicht die Gewähr bieten kann, dass sie in Zukunft Stützen des neuen Preussens und des neuen Deutschlands sein können."

Diese von Göring aufgestellten Voraussetzungen wurden beim Angeklagten bejaht; am 1.Dezember 1933 wurde er zum Oberregierungsrat befördert. In einer Beurteilung vom 23.Mai 1934 heisst es über das Arbeitsgebiet des Angeklagten:

"Selbständiger Referent für Verfassungs-, Standesamtssachen, Namensänderungen p.p. Ständiger Vertreter für Saarsachen und andere grenzpolitische Angelegenheiten des Westens."

Globke wird folgendermassen beurteilt:

"Eignet sich nach Befähigung, Fleiss und Leistungen in hervorragendem Masse zum Ministerialrat. Gründlicher Arbeiter, gutes Judiz, klare und gewandte Ausdrucksweise im mündlichen Vortrag wie in schriftlichen Ausführungen."

 

Am 27.August 1934 wurde Globke auf Adolf Hitler vereidigt. Am 30.August 1935 - inzwischen war seit dem 1.November 1934 das Preussische Innenministerium mit dem Reichsinnenministerium vereinigt worden - beurteilte Staatssekretär Dr. Stuckart Globke folgendermassen:

"Globke ist ein guter Jurist und Verwaltungsbeamter mit klarem Urteil und rascher Entschlusskraft und Entscheidungsfähigkeit. ... Seiner überlegenden Art