DDR-Justiz und NS-Verbrechen Bd.III Verfahren Nr.1064 - 1114 (1955 - 1964)

Prof. Dr. C.F. Rüter
© Foundation for Research on National-Socialist Crimes, Amsterdam

Lfd.Nr.1068    OG    23.07.1963    DJuNSV Bd.III S.79

1924 die zweite juristische Staatsprüfung mit "gut" und wurde am 28.April 1924 durch den Preussischen Justizminister zum Gerichtsassessor ernannt. Am 30.April 1924 meldete er sich beim Oberlandesgerichtspräsidenten in Köln zum Dienstantritt und wurde an das Amtsgericht Aachen überwiesen. Von Ende Oktober 1924 bis Ende März 1925 war der Angeklagte als amtlicher Vertreter verschiedener Rechtsanwälte in Aachen tätig. Ende 1924 wurde er folgendermassen beurteilt:

a) Vom Landgerichtspräsidenten: "Noch nicht näher bekannt, da längere Zeit als Vertreter von Rechtsanwälten tätig gewesen."

b) Vom Oberlandesgerichtspräsidenten: "Als Assessor mir noch nicht bekannt geworden, hat als Referendar Gutes geleistet."

 

Bereits am 14.April 1924 hatte der Angeklagte an den Preussischen Minister des Innern ein Gesuch um Übernahme in die innere Staatsverwaltung gerichtet. In dem Gesuch heisst es:

"Mein Wunsch geht dahin, dem preussischen Staat meine Dienste zu widmen."

Auf Anforderung des Innenministers berichtete der Regierungspräsident in Aachen am 16.Juni 1924 ausführlich über den Angeklagten und seine Familie. Der Bericht schliesst:

"Gegen die Übernahme des Gerichtsassessors Johannes Globke in den Verwaltungsdienst sind keine Bedenken zu erheben. Bei seiner persönlichen Vorstellung hat Dr. Globke einen vorzüglichen Eindruck gemacht."

Am 1.April 1925 beantragte der Angeklagte beim Oberlandesgerichtspräsidenten in Köln einen sechsmonatigen Urlaub zwecks Beschäftigung bei der Stadtverwaltung in Aachen. Der Urlaub wurde gewährt, und am 4.Mai 1925 wurde Globke mit Zustimmung des Ministers des Innern und unter Vorbehalt der Einstellungsgenehmigung der Besatzungsbehörde bei der Polizeiverwaltung Aachen beschäftigt. Am 18.September 1925 beantragte der Angeklagte einen weiteren sechsmonatigen Urlaub, der zunächst gewährt, aber durch den Oberlandesgerichtspräsidenten in Köln am 6.Februar 1926 infolge des ausserordentlichen Bedarfs der Justizverwaltung an richterlichen Hilfskräften widerrufen wurde. Am 14.Februar 1926 wandte sich der Polizeidezernent der Regierung in Aachen an den Oberlandesgerichtspräsidenten in Köln mit dem Ersuchen, Globke in der Verwaltung zu belassen. In dem Schreiben heisst es:

"Als eingearbeitete Kraft und als einziger Stellvertreter des Polizeiverwalters ist er nur schwer zu entbehren. Seine dauernde Übernahme in den Verwaltungsdienst wird in Kürze erwartet."

 

Bereits am 10.Februar 1926 hatte der Regierungspräsident in Aachen einen Antrag an den Preussischen Innenminister gerichtet, Globkes Übernahme in die allgemeine Staatsverwaltung zu veranlassen. In dem Antrage heisst es:

"Dr. Globke hat sich in jeder Weise bewährt."

Zehn Tage darauf wurde der Angeklagte aus dem Justizdienst entlassen, mit Wirkung vom 1.März 1926 unter Ernennung zum Regierungsassessor endgültig in die innere Staatsverwaltung übernommen und dem Polizeipräsidium in Aachen überwiesen. In einer Beurteilung des Angeklagten durch den Regierungspräsidenten in Aachen vom 28.Februar 1927 heisst es:

"Sehr tüchtiger und sehr eifriger Beamter mit vorzüglichen Kenntnissen."

Der Angeklagte setzte seine Tätigkeit bei der Polizeiverwaltung Aachen fort und wurde am 19.März 1929 folgendermassen beurteilt:

"Nimmt seit mehreren Jahren die Dienstgeschäfte als dauernder Vertreter des Pol.-Verwalters beim Pol.-Präsidium Aachen, das auf Anordnung der Besatzung dem Oberbürgermeister unterstellt werden musste, wahr und eignet sich bei seinen gründlichen Kenntnissen, seinem besonderen Geschick bei der Behandlung politischer Fragen vorzugsweise zum Hilfsarbeiter bei einem Oberpräsidium."

 

Am 29.November 1929 ernannte der Preussische Minister des Innern den Angeklagten zum Regierungsrat und übertrug ihm ab 1.Januar 1930 eine Regierungsratsstelle bei der