DDR-Justiz und NS-Verbrechen Bd.I Verfahren Nr.1001 - 1030 (1975 - 1989)

Prof. Dr. C.F. Rüter
© Foundation for Research on National-Socialist Crimes, Amsterdam

Lfd.Nr.1009a    Stadtgericht Berlin    07.06.1983    DJuNSV Bd.I S.280

Nach Absolvierung der Polizei-Offiziersschule Fürstenfeldbruck wurde er am 19.12.1942 zum Leutnant der Schutzpolizei der Reserve ernannt und der Polizeiverwaltung Frankfurt (Oder) überstellt. Noch im Jahre 1943 stellte der Angeklagte den Antrag, als Beamter in den aktiven Polizeidienst übernommen zu werden. Dem wurde später mit Wirkung vom 1.10.1943 entsprochen.

 

Mit Datum vom 10.Februar 1943 erfolgte seine Übernahme als Offizier in die Waffen-SS, wie dies einer regulären Verfahrensweise zwischen diesen gleichgeschalteten faschistischen Organen entsprach, die beide dem Reichsführer SS und Chef der Deutschen Polizei, Himmler, unterstanden.

Im Bestand der 10.SS-Panzer-Grenadier-Division "Frundsberg" trat der Angeklagte Mitte Februar 1943 in der Stadt Chalais in Südwestfrankreich den Dienst als SS-Untersturmführer an. Anfänglich wegen Offiziersmangels Kompaniechef einer Ausbildungseinheit, erfolgte September/Oktober 1943 sein Einsatz als Zugführer. Im November 1943 wurden Einheiten dieser Division zum Einsatz gegen die Sowjetarmee in den Raum Shitomir verlegt. Der Angeklagte wurde damit am 20.11.1943 als Zugführer des 1.Zuges der 1.Kompanie, I.Bataillon des SS-Panzer-Grenadier-Regiments 4 "Der Führer" in die SS-Panzer-Division "Das Reich" versetzt. An Kampfhandlungen hatte der Angeklagte nicht teilgenommen. Er zog sich im Hinterland eine Fussverletzung sowie eine Erkältung zu und trat im Bereich des Stabes den Rückzug an, nachdem das Regiment durch die Sowjetarmee in die Flucht geschlagen worden war.

Ab Mitte Februar 1944 war der Angeklagte mit der Ausbildung von Unterführern für die Neuformierung des Regiments betraut, das wieder nach Südwestfrankreich verlegt worden war. Diese Tätigkeit endete im Mai 1944, als der Angeklagte Zugführer des 1.Zuges der 3.Kompanie im I.Bataillon des SS-Panzer-Regiments 4 "Der Führer" wurde. Ihm unterstanden insgesamt 45 Angehörige der Waffen-SS, von denen er die bedingungslose Ausführung seiner Befehle erwartete, wie er auch selbst absolut den Befehlen seiner Vorgesetzten zu folgen bereit war. Am 28.6.1944 wurde der Angeklagte im Norden Frankreichs schwer verwundet und beinamputiert. Während des nachfolgenden Lazarettaufenthaltes wurde er am 9.11.1944 zum SS-Obersturmführer befördert und ihm das Eiserne Kreuz II.Klasse sowie das Panzergrenadiersturmabzeichen verliehen. Im Februar 1945 erfolgte die Entlassung aus dem Lazarett nach Gransee.

Noch im März des gleichen Jahres verliess er aus Furcht, wegen seiner Handlungen im Kriege zur Verantwortung gezogen zu werden, vor der näherrückenden Sowjetarmee seine Heimatstadt und hielt sich in Schleswig-Holstein auf, wo er das Kriegsende erlebte. Bei einem erneuten Lazarettaufenthalt in Burg/Dithmarschen im Mai/Juni 1945 liess sich der Angeklagte ein Ersatzsoldbuch ausstellen, in welchem er unter Weglassung seiner SS-Zugehörigkeit als Leutnant der Schutzpolizei ausgewiesen wurde. Auch in Passierscheinen der englischen Besatzungsbehörden liess er sich als Leutnant bzw. Oberleutnant der Schutzpolizei eintragen.

 

Im Juni 1946 kehrte der inzwischen verheiratete Angeklagte mit seiner Ehefrau nach Gransee zurück. Entsprechend einem von ihm vorbereiteten "Musterlebenslauf" verschwieg er in der weiteren Folge in allen Personalangaben seine SS-Zugehörigkeit, gab unvollständig seine verschiedenen Polizeidienststellen an und unterschlug seine NSDAP-Mitgliedschaft. Die Ortsnamen Klatovy, Pardubice und Oradour tauchten in diesen Angaben nie mehr auf.

Ab September 1946 in verschiedenen Arbeitsrechtsverhältnissen tätig, war der Angeklagte schliesslich nach einigen Qualifizierungsmassnahmen als Vorstand - Handel - in der Konsumgenossenschaft Gransee beschäftigt. Später arbeitete er dort als Leiter der Abteilung Rationalisierung bis zu seiner Invalidisierung am 1.5.1981. Im gleichen Bereich war er noch bis zu seiner Inhaftierung verkürzt tätig. Sowohl im Berufsleben wie auch in seinem gesellschaftlichen Auftreten werden dem Angeklagten Fleiss und Einsatz bescheinigt. Dafür wurde er mehrfach ausgezeichnet.